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GTS Magazin 01-2015

71FRÜHLINGSAUSGABE durch Musikacts wie Tallest Man on Earth und Bob Dylan geprägt. Ein fünfminütiges Gitarrensolo wird doch heutzutage gar nicht mehr gewürdigt, weil es nicht ra- diotauglich ist und die Leute schnell ge- langweilt sind. Ansonsten finde ich Keith Richards richtig gut und interessant. Bon Iver ist auch sehr inspirierend. Ihr wart in Holland mit dem VW-Bus auf Straßenmusiktour. Wie kam es dazu? Ursprünglich war Frankreich geplant. Es wurde uns aber abgeraten, weil die Franzosen sehr skeptisch sind, wenn sie englischsprachige, neue Musik hören. Wir waren mit Freunden zwei Wochen in ganz Holland unterwegs und haben auf der Straße gespielt. Unplugged. Nur mit Gitar- re und Stimme. Wir haben uns das Geld von Tag zu Tag erspielt. Von der Hand in den Mund also. Das war wirklich eine tolle und wichtige Erfahrung. Danach wussten wir, dass wir damit unser tägliches Brot verdienen wollen. Geht man sich denn nicht irgendwann mal auf die Nerven, wenn man die gan- ze Zeit so aufeinander hängt? Seit 5 Jahren funktioniert das einwandfrei. Natürlich ist man nicht immer einer Mei- nung, aber wir sagen uns das dann auch direkt. Wenn wir beim Fußball gegeneinan- der spielen lassen wir schon mal unseren Frust raus. Da sind wir dann Gegner. Ihr seid es gewohnt auf der Straße vor kleinerem Publikum zu spielen. Mögt ihr das lieber, als riesige Hallen? Bisher waren wir noch nicht als Headliner auf Tour, sondern meistens als Support von großen Bands. Aber bei kleineren Gigs vor 50 bis 100 Leuten weißt du, dass die Leute nur wegen dir und deiner Musik da sind. Es ist genial, wenn es im Club schön eng und voll ist und die Leute zu deiner Mucke abgehen. Seid ihr privat auch große Konzertgänger? Definitiv. Das ist uns extrem wichtig. Man lernt nämlich nie aus. Unser letztes Kon- zert war Balthazar und wir waren mega geflasht. Ultra nice der Typ. Könntet ihr euch vorstellen, für die Karriere Stuttgart zu verlassen? Wir fühlen uns in Stuttgart ziemlich wohl. Beziehungsweiße in unserem Heimat- ort Plieningen, wo wir auch noch beim örtlichen Fußballverein KV Plieningen in der 3. Kreisliga spielen. Wir könnten uns also eher nicht vorstellen nach Berlin oder so zu ziehen um dort durchzustarten. Es gibt keinen Grund dafür. Man kann doch auch hier sein eigenes Ding aufbauen. Hier ist man viel unabhängiger und weniger beeinflusst. Zum Kreativsein braucht man Ruhe. Man muss Sachen zu Ende denken. Das können wir hier sehr gut. Hier gibt es viel Natur und eine hohe Bardichte. Was sind eure Geheimtipps in Stuttgart? Zum Shopping auf jeden Fall Blutgeschwis- ter. Da finde ich immer geile Jeans. Das Café Kottan, in dem wir selber schon ge- spielt haben, ist super und auch das Café Galao rockt. Ansonsten trinken wir gerne mal ein Bierchen im Ackermann oder gehen zu Konzerten ins Merlin. Außerdem sind wir Fan von unseren Musikerkollegen The Jerks. Die sind einfach scheißecool. Was würdet ihr jungen Musikern raten? Geht mit eurer Musik auf die Straße. Unter die Leute. Das Gute ist: Man braucht keine Technik. Auf der Straße kannst du immer spielen und hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Nur so weiß man, ob und wie man ankommt. Das Publikum auf der Straße ist vielleicht gnadenlos aber ehrlich. Außerdem wichtig: Man muss immer dazu lernen. B.B. King hat glaube ich mal gesagt, dass man nie aufhören darf zu lernen. Man lernt nie aus! Gerade in einem kreati- ven Beruf ist das mega wichtig. Was steht bei euch in 2015 an? Am 07.03. erst mal ein Konzert in der S*COBAR in Esslingen. Am 21.03. in Ulm im Roxy und am 16.04. sind wir bei ZER- MATT UNPLUGGED am Start. Ansonsten steht eine deutschlandweite Städte-Tour an und unser neues Album erscheint Ende des Jahres. Was ist bei dem neuen Album anders als beim aktuellen? Es geht ein bisschen mehr nach vorne - bisschen mehr Rock `n` Roll. Wir haben auf dem aktuellen Album auch ein paar schnellere Nummern dabei, die vor allem live richtig schön abgehen. Stilgebend ist für uns aber nicht nur unser Album, son- dern wie wir live aufgestellt sind! Was sind eure Ziele für die nächsten Jahre? Severin: Ich würde wahnsinnig gerne ir- gendwann mal auf dem Glastonbury Fes- tival in England spielen. Da kommt nicht viel gegen an. Ansonsten möchten wir weiterhin Musik mit Anspruch machen und natürlich auch irgendwann internationalen Standard erreichen, wie auch immer man diesen definiert. Es kommt aber nicht da- rauf an, wie groß man ist. Wir haben ein Grundvertrauen, dass alles irgendwie läuft und am Ende gut wird. S C H A U T V O R B E I A U F : www.kidsofadelaide.de G E H E I M T I P P M U S I K

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